Mittwoch, 4. Juni 2014

Warum der Ruf von Digital Künstlern unbegründet so schlecht ist

...Auf Facebook macht Alexander Déboir derzeit ein Projekt namens "Illusion und Realität", weil ihm, wie auch mir auffällt, dass traditionelle Art einfach immer besser ankommt, als digitale.
In dem Projekt täuscht er Skizzen und Zeichnungen vor, welche aber in Wahrheit "nur" ein bearbeitetes Foto sind.

Traditionelle Kunst ist zeitaufwendig und erfordert Talent und Fleiß. Digitale Kunst ist einfach, paar Klicks in Photoshop und schon hat man das perfekte Bild - denken viele. So ist es aber nicht.
Digital Paintings und Photomanipulationen sind genauso zeitaufwendig wie Zeichnungen und Gemälde. Es kommt immer darauf an, wie viel Detailliebe ein Künstler in sein Bild investiert. Ich kenne Künstler, die arbeiten 50 - 80 Stunden in Photoshop an einem Bild. Nur wenn ich das jemanden sage, glaubt das immer kaum jemand.
Der einzige Unterschied zu Photoshop ist, dass du vorallem bei Photomanipulationen kein außergewöhnliches Maltalent sein musst. Es ist von Vorteil, wenn du gut zeichnen kannst und mit dem Grafiktablet umgehen kannst -  aber es geht auch ohne. Jedoch brauchst du A) ein gutes Auge B) Sinn für Farben und Schatten/Lichter und C) super viel Wissen in Photoshop ...und das lernt man nicht innerhalb paar Wochen.

Jedoch löst der Begriff "Photomanipulation" von vorneherein im Gehirn etwas negatives aus. Man denkt sofort an die Manipulation der Medien, die perfekte und unerreichbare Schönheitsideale im Fernsehen und auf Magazinen zeigen. Also, ist das schlecht und scheiße, sagt das Hirn.
Aber auf Gemälden und Zeichungen sind auch bei den großen Künstlern nie Hautunreinheiten zu sehen, hatten die Personen damals keine? Wohl kaum. Bei Gemälden wird auch gesagt, mach mich bitte dünner, mach mein Haar voller (und so weiter) aber es ist ein Gemälde und somit gerechtfertigt, Verschönerungen vorzunehmen. ..... Bei Photomanipulationen jedoch ist das schlecht.
Merkt ihr was? Da besteht kein Unterschied....und trotzdem machen fast alle Menschen einen.
Photomanipulation by http://allad8.deviantart.com/

Digital Painting by http://helga-hertz.deviantart.com
Bei Fotografie ist es ähnlich. Viele Hobbyfotografen- und auch ausgebildete schreien, dass ein Foto kein Foto mehr ist, wenn man es zuviel bearbeitet. Aber für mich ist Fotografie nicht nur knipsen.
So wird beispielsweise oft bei den Bildern von Zemotion gesagt, dass das zwar tolle Bildbearbeitung ist - aber keine Fotografie mehr, weil sie viel vom Grundfoto aus der Kamera verändert. Jedoch schießt sie jedes Bild selbst. Für mich ist das Fotografie, ich kann mir nicht erklären, wie man da etwas anderes sagen kann.
http://zemotion.com
Auch Starfotografin Annie Leibovitz ist vorallem berühmt für ihre tollen, fantasyartigen Photomanipulationen und die findet auch jeder toll. Bloß in unserer kleinkarierten Welt erkennen viele die Arbeit nicht an. "Sind ja nur ein paar Klicks in Photoshop". Für Gemälde zahlen sie mehrere tausend Euro...aber für ein gleichwertiges Digitales Werk sind paar 100€ schon zuviel.
In der Tageszeitung wird, wenn überhaupt, nur über tradiotionelle Kunst geschriebn - nie aber über digitale. Dafür muss man dann erst Fachzeitschriften kaufen.
In zahlreichen Wettbewerben gewinnen schneller gemalte Bilder, obwohl die digitale Konkurrenz gleichwertig ist.Ich finde, die Welt um uns herum muss aufwachen aus ihrer starrsinnigen Denkweise.
Wir leben schließlich nicht mehr in den 60-er Jahren, wo es das alles noch nicht gab.

Es sind nicht nur die Künstler, die mit Pinsel und Bleistift umgehen können, sondern auch die, die mit Kamera und Software zaubern können.
Anni Leibovitz's Game of Thrones für Vanity Fair

by Liancary
by Liancary