Samstag, 10. Oktober 2015

Loslassen des 'Versager-seins"

Schon seit ich Denken kann habe ich mich immer mit anderen gemessen, alles mit mir verglichen und kam dadurch schnell zu der Annahme, dass ich ein Versager sei.
Aufgewachsen bin ich in einer Familie, wo jeder studiert hat und ein vorbildliches Abitur abgeschlossen hatte. Dadurch hat sich in mir ein Bild im Kopf ergeben, dass ich nur ein Vorzeigekind wäre, wenn ich ebenfalls das erreiche was z.B meine ältere Schwester erreicht hat. Trotz aller Bemühungen konnte ich an den Erfolg von ihr nicht anknüpfen. Ich habe eine lange Zeit darunter gelitten und sah mich als die dümmste in der Familie an. Aber heute, heute bin ich darüber hinweg.

Als dann die Zeit des Umbruchs kam und jeder eine Ausbildung anfing, da merkte ich, dass es mir nicht gut gefällt und ich es wohl abbrechen werde. Natürlich ist man da nicht gerade stolz auf sich, wenn man so etwas tut....etwas abzubrechen, egal was, ist schließlich nie schön. Und da es bei mir auch nicht nur bei einmal abbrechen blieb kamen dann von meiner Seite her auch irgendwann wieder die Vergleiche mit den anderen. Da hatten manche aus meiner ehemaligen Klasse sich schon ein Auto finanzieren können. Da waren andere, die hatten schon einen fertigen Berufsabschluss, als ich gerade das zweite Mal abgebrochen habe. Damals hat mich das sehr runtergezogen und ich fühlte mich unglaublich fehl am Platz und hatte Angst, dass ich nie etwas richtiges finden würde.
Aber heute, heute bin ich darüber hinweg.

Auch jetzt, wo ich reifer geworden bin, merke ich immernoch wie ich Vergleiche ziehe. Ich investiere jede freie Zeit und Energie in die Fotografie und dann hat man da ein Bild, von dem man ganz begeistert ist, läd es hocherwartungsvoll auf Facebook hoch und dann sehen es nur eine handvoll Leute. Scrollt man 2 Sekunden weiter runter erblickt man plötzlich ein schlechtbearbeitetes Bild, das aber mega gut ankommt. Genauso verhält sich das auch mit jüngeren Talenten, die plötzlich da sind und mehr können als du. Da ziehe ich wieder Vergleiche und merke, dass ich schlechter abschneide und falle wieder in die Rolle des Versagers. Auch hier habe ich lange, lange Zeit drunter gelitten und wollte phasenweise auch schon alles hinwerfen. Aber heute, heute bin ich darüber hinweg.

In gewisserweise wird man sein lebenlang Vergleiche ziehen, das tut jeder und das ist auch gut so. Sich mit anderen zu vergleichen ist nicht verkehrt, solange es nicht krankhaft ist. Wenn man meint sich nun runter hungern zu müssen, weil die Beautyqueen in der Klasse Größe XS hat, oder wie ich- am Leistungsdruck der Schule fast zu zerbrechen, weil man sich selbst dämliche Ziele gesetzt hat, oder mit der Musik und der Kunst aufzuhören, weil irgendein unlustiger Typ mehr Abos als man selbst hat, dann ist das nicht mehr gesund.
Und ich kann für meinen Teil sagen, dass mich das über viele Jahre hinweg sehr kaputt gemacht hat.
Ich hielt von mir nicht mehr viel und hatte schon fast Angst davor, überhaupt noch etwas zu versuchen.
Aber heute, heute bin ich drüber hinweg.

Ich wachse, ich lerne, ich entwickel mich weiter und die Fotografie war bei mir hier ein absoluter Lifechanger. Vor genau 1.5 Jahren hatte ich mich nicht getraut fremde Personen zu fotografieren, ganz zu schweigen von ansprechen. Heute ist das für mich das normalste der Welt und mit jedem Shooting werde ich noch ein wenig lockerer als am Shoot davor. Durch meine Fotos konnte ich mich nicht nur ausdrücken, sondern fand Leute, die die selbe Leidenschaft teilten. Ich fand Menschen, die begeistert waren von dem was ich tat. Irgendwann, da war ich dann auch begeistert von mir.
Ich bin vielleicht nicht der Vorzeigemensch was Karriere und ein sicheres, sorgenfreies Leben angeht.
Jedoch habe ich gelernt, was wirklich wichtig im Leben ist...und Karriere ist das nur, wenn es dich wirklich glücklich macht.  Für mich war es wichtig, mich selbst wieder mögen zu können. Einfach in den Spiegel zu schauen und zu denken "Ach, so schlimm ist das doch alles gar nicht!", die Dinge lockerer anzugehen und Niederschläge nicht mehr so ernst zu nehmen. Denn es mag sein, manchmal zwingt einen das Leben eintausendmal in die Knie...aber man steht auch eintausendundeinsmal wieder auf.
Egal wie etwas kommt, es kommt so wie es für dich sein soll.
Es liegt an uns, ob wir eine strahlende Sonne oder einen häßlichen gelben Fleck sehen.

Believe in the good things coming & don't be afraid to dream a little bigger