Sonntag, 20. September 2015

Wie man sich als Fine Art Newbie was dazuverdienen kann

Ursprünglich stammt der Begriff „Fine Art“ gar nicht aus der Fotografie, sondern bezog sich auf die Malerei. Fest definiert waren ästhetische und konzeptionelle Belange, die nichts mit der angewandten Technik, sondern lediglich mit der Darstellungsform des Motivs zu tun hatten.
In den letzten Jahren wurde „Fine Art Photography“ immer mehr zum Überbegriff für exakt und fein ausgearbeitete Bildwerke. Wer sich noch immer nichts darunter vorstellen kann, kann sich folgende Künstler genauer ansehen: Kirsty Mitchell, Anka Zhuravleva, Ines Rehberger.
Wer mit Fine Art liebäugelt muss sich jedoch im klaren sein, dass er die ersten Jahre mehr misere macht, besonders je ausgearbeiteter der eigene Stil ist.

Hochzeitsfotos, Babyfotos und simple Portraitfotos sind schnelles Geld. Zwar wird auch hier erstmal eine fette Stange Geld für besonders gutes Equipment und Ausrüstung benötigt aber wer sein Handwerk gut beherscht, der hat das Geld auch wieder schnell drin. Ein Fine Art Künstler braucht dagegen oftmals pro Bild mehrere hundert Euro zur Umsetzung einer Idee und erhält nichts als ein paar Likes im Gegenzug. Natürlich kann man nun sagen :" such dir 'nen anderen Stil!" aber oft ist das was Fine Art Fotografen ausmacht das, was von ihrem innersten kommt und das zu ändern würde an Selbstverleumdung grenzen.

Hier also mal Tipps wieder ein bisschen Geld gut zumachen:

1.) Sucht euch Menschen, die die selbe Leidenschaft teilen
Mit Menschen zu arbeiten, die genauso wie du für den Stil entbrannt sind, sind in der Regel bereit dich bei den Unkosten zu entlasten und dir zusätzlich auch bei der Location Suche, sowie der Kleidersuche zu unterstützen. Eine Zusammenarbeit sollte immer ausgeglichen und fair ablaufen.


2.) Vermiete deine Kleider/ Kostüme
Wenn du dir für ein Shooting Kleider im Wert von über 80€ kaufst, dann überlege im nachhinein diese anschließend zum 'vermieten' anzubieten. Zusätzlich kannst du auch schauen, dass du das Kleid wieder für einen ähnlichen Preis verkauft bekommst... also wenn du es ein paar mal vermietet hast und es dann verkaufst, hast du am Ende vielleicht sogar Gewinn gemacht.
Selbiges gilt für selbstgemachte Kleider.


3.) Stelle deine Bilder für Buch-, CD Cover bereit, und evtl. als Stock-Photo.
Ziehe in Betracht deine Werke an Autoren, Musiker zu verkaufen und mache darauf aufmerksam. Warte nicht darauf, dass sich jemand bei dir meldet, sondern mache unter deinen Fotos oder auf deiner Website darauf aufmerksam, dass diese erwerblich sind.
Unterschätze außerdem nicht die Stock-Community von deviantart. Dort werden auch deine unbearbeiteten Outtakes manchmal für die Benutzung eines Buchcovers angefragt. Für ein unbearbeitetes Bild kannst du zwischen 10-30€ verlangen, da du daran ja selber keine weitere Arbeit hast. An einem von dir selbst bearbeiteten Werk kannst du jedoch einiges mehr verlangen.


4.) Erstelle einen Shop
Im Internet gibt es zahlreiche Anbieter, die einem so eine Dienstleistung umsonst anbieten. ( Society6, Redbubble, Etsy). Lade dort deine Bilder hoch und wähle deinen Gewinnanteil nach eigenem Ermessen aus. Hier heißt es auch wieder: warte nicht darauf, dass jemand von sich aus deinen Shop entdeckt. - Sondern weise deine Follower darauf hin, dass es ihn gibt.


5.) Biete Auftragsshootings an
- aber lasse dich nicht aus Not an Geld zu etwas überreden, dem du nicht gewachsen bist. Ich erhalte nicht selten Anfragen für klassische Hochzeitsreportagen und das Geld, das winkt klingt verlockend. Aber tu es nicht, wenn du keine Erfahrung hast und dir auch die Ausrüstung fehlt. Am Ende musst du mit dem schlechten Gewissen leben, einem Ehepaar den Schönsten Tag versaut zu haben. Biete stattdessen Fotos in deinem Stil an, während du das tust kannst du dich auch langsam in neue Bereiche vortasten, die dir auf lange Sicht vllt auch gefallen, solange du dir selbst treu bleibst.


Nach einem Jahr, in dem ich viel Epic Fantasy und Surreal Portraiture betrieben habe, kann ich sagen, dass ich bisher weit mehr misere gemacht habe, als Gewinn. Aber das ist es einem einfach Wert, denn die Momente, die man währenddessen erlebt, die Menschen, die man kennenlernt, sind einfach unbezahlbar.
Manchmal hab ich Monate, wo ich gar nichts einnehme und manchmal gibts dann einen Monat, wo dann alles aufeinmal kommt und die Freude ist umso größer.
Das wichtigste ist Geduld zu haben, erwartet nicht nach einem Jahr schon hunderte Euro zu machen.  Generell solltet ihr mit Fine Art Fotografie nicht aus dem Gedanken anfangen, um möglichst viel Profit zu erzielen.
Tut es um euch selbst auszudrücken, aus der Freude daran neue Menschen und magische Momente kennenzulernen, dann wird der Rest von selbst kommen.
<3